»Eine eigene kleine Pension, dass wäre schon was Schönes.« Und schon waren wir beide in dem Gedanken vertieft und malten uns aus wie es sein könnte. Ihr Freund würde in der Küche stehen und die tollsten eigenen Kreationen herstellen. A. würde am Tresen stehen und die Besucher in herzlichen Empfang nehmen, Ihnen Ihr Zimmer zeigen und die Stadt schmackhaft machen. Ich würde draußen auf der Terrasse sitzen und mich um die Buchhaltung kümmern. Im freien zu Arbeiten motiviert einfach und die frische Luft tut gut. Ich hätte aber auch mein eigenes kleines Büro mit Blick auf den Garten. Ab und zu würde ich dann mit den Zimmern helfen. Und zusammen würden wir uns darum kümmern, dass es immer hübsche Pflanzen und Blumenarrangements im gesamten Haus gibt. Sicher könnten wir meinen Mann auch irgendwo mit unterbringen. Was für ein toller Gedanke, etwas das uns gehört. Etwas, das wir zusammen auf die Beine stellen würden.

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Ein LKW der an uns vorbei über den Asphalt donnert reißt uns aus unserer Fantasie. Eigentlich wollten wir spazieren gehen, aber dieses süße Café, in dem ich noch nie war, zog uns förmlich an. Aus einem Stück Kuchen für Unterwegs wurde ein Stück Kuchen und eine Eisschokolade für die Terrasse. Nahe an der Straße war etwas laut, aber das störte uns kaum. Es war schön sich für einen kurzen Moment seinen Träumen hinzugeben.

»Und was wäre, wenn wir uns wirklich mal zusammensetzten und dann umschauen würden?« A. schaute mich an. Ich sah wie sie nach einer passenden Antwort suchte. »Aber was ist, wenn ich mit meinem Freund gar nicht zusammen arbeiten kann? Was ist, wenn er sauer wird, weil ich doch immer so ein kleiner Tollpatsch bin? Und  dann ist das auch alles viel zu teuer. Und vielleicht ist es dann gar nicht so toll, wie wir es uns vorstellen.« Ich überlegte, was ich darauf antworten könnte. Ich war hin und hergerissen zwischen dem Gedanken, welchen ich in diesem Buch aufgeschnappt hatte und genau den gleichen Ängsten, den A. hatte. Ich fragte mich, was wir wohl tun würden, wenn es wie im Buch eine Deadline gab. Wenn wir wüssten, das wir nur noch ein Jahr zu leben hätten. Doch anstatt zu überlegen, wie wir das dann umsetzten könnten, kamen uns eher Gedanken, dass die Zeit dann eh viel zu kurz wäre.

Seitdem ich angefangen hatte das Buch Das Leben ist zu kurz für später“ von Alexandra Reinwarth zu lesen, gingen mir so viele Fragen durch den Kopf. Vor allem eben diese eine: Was würde ich tun, wenn ich nur noch ein Jahr hätte. Natürlich ist der Gedanke etwas skurril, aber wie oft erleben wir, dass die Zeit für einen geliebten Menschen oder einfach jemanden den wir kannten zu kurz war. Was würde ich gern noch machen um dann zu sagen, ich hatte ein schönes Leben. Was ist wirklich wichtig und vor allem wer?

So verrückt der Gedanke auch ist, wie es wäre zu wissen, dass ich nur noch ein Jahr zu leben hätte, so real ist es auch. Denn jeder von uns hat ein Verfallsdatum. Der Unterschied ist nur, dass die wenigsten wissen, wann es erreicht ist.

Dennoch bleibt es nach wie vor nicht so leicht von heut auf morgen alles umzukrempeln und zu verändern, was uns nicht so gut gefällt oder uns keine Freude bereitet. Immerhin hängt nach wie vor eine Menge dran. Und auch für das Leben, das wir jetzt führen, haben wir eine Menge auf uns genommen. Aber ich finde du und ich können auch jetzt schon kleine Dinge verändern. Mit dem Gedanken, vielleicht irgendwann keine Gelegenheit mehr dazu zu haben, fällt es leichter unschöne Gedanken anzusprechen und auch mal jemanden die Meinung zu geigen. Aber vor allem fängt man an zu fokussieren, was und vor allem wer einem wirklich wichtig ist.

Ein tolles Buch für Menschen die etwas verändern wollen

Nachdem ich dieses Buch gelesen habe, habe ich viele Dinge mit anderen Augen und aus einem anderen Blickwinkel betrachten können. Viel was ich gelesen habe, habe ich schon vor dem Buch umgesetzt. Aber es hat mir trotzdem viele Ja-Momente geschenkt und mich immer wieder nachdenken lassen. Ein interessantes Gedankenexperiment, das sicher kein Fehler ist es mal zu versuchen. Und vielleicht verändert sich dadurch für dich doch mehr, als du für möglich gehalten hättest.

Klappentext

Einen Tag nach ihrem Todestag wacht Alexandra Reinwarth morgens auf – und ist glücklicher als je zuvor. Und nichts ist mehr so, wie es einmal war. 

Aber von vorne: Es gibt Momente, in denen einem klar wird, dass es so nicht weitergehen kann, dass sich das Leben ändern muss. In einem genau solchen Moment entschließt sich Alexandra Reinwarth zu einem spannenden Selbstversuch: Sie wird so leben, als wäre es ihr letztes Jahr. Und dieses Experiment ändert alles: Wie aus Sorgen, Stress und Anspannung ein Leben ohne Wenn und Aber mit völlig neuen Prioritäten und überraschenden Zielen wurde, erzählt sie in ihrer unnachahmlich humorvollen Art und zeigt, was passiert, wenn man wirklich im Jetzt lebt!