Wenn Funktionieren unsichtbar macht
„Die Dany macht das schon. Die kriegt das hin. Da mussten wir uns noch nie Sorgen machen.“
Ein Satz wie ein Lob. Ein Satz, den ich mein Leben lang gehört habe. Und ein Satz, der mich gelernt hat, mich unsichtbar zu machen.
Als sogenanntes Sandwichkind bin ich in dem familiären Raum aufgewachsen, der zwischen einem großen Bruder, der durch ständigen Mist die Aufmerksamkeit auf sich zog, und dem kleinen Nesthäkchen übrig blieb. Mein Überlebensmodus? Perfekt funktionieren. Schon in der zweiten Klasse schmierte ich mein eigenes Pausenbrot und kümmerte mich mit um den Kleinen. Ich traf früh eigene Entscheidungen. Das hat mich stark gemacht, unabhängig und selbstständig. Aber es hat auch etwas mit mir gemacht, das mich bis heute verfolgt.
Ich habe gelernt, mich anzupassen. So sehr, dass ich heute oft zurückschrecke, wenn es mal um mich geht. Eigentlich wünsche ich mir schon so lange eine riesige Geburtstagsparty mit Musik und Tanzen – mal so richtig im Mittelpunkt stehen. Doch im nächsten Moment schiebe ich Ausreden vor, warum es nicht geht, oder hoffe insgeheim, dass mir jemand eine Überraschungsparty organisiert. Ein Widerspruch? Ja. Aber einer, der logisch ist: Wer nie gelernt hat, laut zu sagen, was er braucht, erwartet von anderen, Gedanken zu lesen.
Diese Dynamik zieht sich durch mein gesamtes Leben, bis in meine heutige Selbstständigkeit. Weil ich mir meine Zeit frei einteilen kann, bin ich immer die, die „ja“ sagt, wenn Not am Mann ist. Die, die einspringt, um die Katze der Eltern zu versorgen, während für andere Familienmitglieder ganz selbstverständlich Verständnis aufgebracht wird, dass sie „arbeiten müssen“. Dass meine Freiheit als Selbstständige harte Arbeit bedeutet, die ich oft abends oder am Wochenende nachhole, sieht niemand. Es fragt auch niemand. Wenn ich meine eigenen Themen anspreche, werden sie oft überhört oder das Thema gewechselt. Und ich? Ich lächle und sage: „Ist schon okay.“
Aber es ist nicht okay.
Mein größtes Learning aus dieser lebenslangen Schleife ist schmerzhaft, aber befreiend: Die Welt hört auf, nach deinen Bedürfnissen zu fragen, wenn du immer signalisierst, dass du keine hast.
Wenn wir immer den Weg finden, immer weitermachen und die Lasten der anderen lautlos mittragen, wird unsere Stärke für unser Umfeld zur Bequemlichkeit. Sichtbarkeit beginnt nicht damit, dass die anderen plötzlich aufwachen. Sie beginnt bei uns selbst. Indem wir aufhören zu funktionieren, wenn wir eigentlich Halt brauchen. Indem wir klar sagen: „Ich kann diesmal nicht.“ Und indem wir uns den Raum für unsere eigenen Feiern im Leben nehmen – selbst organisiert, laut und stolz.