Ganz still und leise kommst du näher.
Fast zärtlich zuerst, beinahe unscheinbar.
Ein leichtes Ziehen im Bauch, ein winziges Pochen im Kopf, ein kaum merkbares Unwohlsein, das ich früher ignoriert habe, weil ich nicht wahrhaben wollte, dass du wieder da bist.
Doch du bist geduldig.
Du wartest.
Und irgendwann rollst du über mich hinweg wie eine Welle, die sich viel zu lange zurückgehalten hat.
Mein Körper zuckt.
Geräusche werden zu Alarmen.
Gedanken drehen sich im Kreis und werden zu Strudeln, die mich hinunterziehen wollen.
Dann kommt die Panik.
Das Bedürfnis wegzulaufen.
Die Angst, die nicht fragt, ob es gerade passt.
Du bringst mich dazu, so vieles zu fühlen, das ich nicht fühlen wollte.
Damals habe ich dich bekämpft wie einen Feind.
Du hast all die Dinge an mir sichtbar gemacht, die ich versteckt hielt, weil sie unbequem waren.
Weil sie wehtaten.
Weil sie mir gezeigt haben, dass die Glücksgefühle, das Lachen und das Kribbeln im Bauch nur eine Oberfläche sind, die schneller bricht als ein dünnes Stück Glas.
Wenn du kommst, wird alles enger.
Atmen fällt schwer.
Tränen beginnen zu brennen.
Trauer, die ich nicht kannte oder lange nicht mehr sehen wollte, steigt in mir auf wie eine Erinnerung, die durch die Ritzen meines Verstandes sickert.
Doch heute weiß ich etwas, das ich früher nicht wusste:
Du willst mich nicht zerstören.
Du willst mich wachrütteln.
Du zeigst mir Themen, die noch gefühlt werden wollen.
Erinnerungen, die nicht geheilt sind.
Glaubenssätze, die ich längst loslassen könnte, wenn ich nur hinschauen würde.
Du bist nicht gekommen, um mich aufzuhalten.
Du bist gekommen, um mich weiterzubringen.
Denn wenn ich dich wegdrücke, werde ich starr.
Wenn ich dich bekämpfe, werde ich hart.
Wenn ich dich ignoriere, bleibst du und schreist nur lauter.
Doch wenn ich mich dir zuwende, wenn ich dich ansehe und sage
Ich sehe dich
ich fühle dich
ich höre dich
passiert etwas, das ich früher nicht für möglich gehalten hätte:
Du wirst weich.
Du wirst leise.
Du wirst zu etwas, das mich führt statt lähmt.
Heute weiß ich:
Du bist die Schwelle vor meinem nächsten Wachstum.
Du bist das Tor zur Veränderung.
Du schenkst mir Klarheit, wenn ich bereit bin, die Wahrheit in mir zu erkennen.
Du hältst mich nicht zurück, du schützt mich.
Du bist der Versuch meines Körpers mich daran zu erinnern, dass ich sicher bin, selbst wenn sich etwas neu anfühlt.
Du bist der Beweis, dass etwas in Bewegung ist.
Ich bin beschützt.
Ich kann das.
Ich vertraue dem Leben.
Ich vertraue mir.
Also komm.
Lass uns gemeinsam weitergehen.
Ich lade dich ein, mitzufahren.
Du darfst Beifahrer sein, aber ich sitze am Steuer.
Du darfst dich anschnallen, du darfst da sein, aber du bestimmst nicht mehr den Weg.
Ich bin nicht mehr das Mädchen, das dich fürchtet.
Ich bin die Frau, die verstanden hat, dass Heilung nicht passiert, wenn wir keine Angst haben
sondern wenn wir sie nicht mehr wegschieben.
Danke für deine Ehrlichkeit.
Danke für all die Hinweise, die du mir gibst.
Danke, dass du mir zeigst, wo ich mich selbst noch verrate
und wo ich wachsen will.
Wir gehen den nächsten Schritt gemeinsam.
Aber diesmal entscheide ich die Richtung.