“Sie haben da einen klassischen Selbstständigenlebenslauf.”
“Was soll das denn heißen?”
“Naja, die meisten, die schon so viel ausprobiert haben, machen sich irgendwann Selbstständig.”

Als ich aus der Tür ging schüttelte ich mit dem Kopf. Niemals würde ich mich Selbstständig machen. Und überhaupt, womit denn bitte? Ach der, der spinnt.

Ein paar Wochen später begann ich in einer neuen Firma als Content Marketing Managerin und es gefiel mir so gut, dass ich dachte ich würde definitiv lang bleiben. Ich hatte meine eigenen Projekte, musste nur zwei Tage in der Woche ins Büro, was von Zuhause nur 10 min zu Fuß entfernt war, die Kollegen waren super und ich hatte einen genialen Chef. Nebenbei absolvierte ich noch meinen Abschluss als Content Marketing Managerin, weil ich das Bedürfnis hatte mich weiterzuentwickeln und dachte, mein Platz wäre im Marketing. Das Fernstudium habe ich dabei selbst finanziert.

Vier Wochen später saß ich verzweifelt am Schreibtisch. Ich wusste nicht mehr wo oben und wo unten ist. Wie soll ich das nur alles schaffen? Und wo soll ich anfangen? Und wie soll ich es schaffen Verkäufe im Shop zu generieren, immerhin hatte ich alles getan was ich konnte. Die Seite sah super aus, ein Branding klar zu erkennen, SEO alles super, sogar regelmäßige Blogbeiträge hatte ich hochgeladen und dem Instagramaccount ein tolles Feed verpasst. Doch die Verkäufe blieben aus. Ich konzentrierte mich auf die anderen Projekte und kümmerte mich um die Shopseiten, legte Produkte an, kümmerte mich um die Contenterstellung. Für einen kurzen Moment war alles wieder ok und ich war voll in meinem Element.

Doch es ließ mich nicht los. Immer wieder fragte mein zweiter Chef nach, wie es denn aussieht und warum keine Verkäufe rein kommen. Ich erklärte ihn noch einmal das ich kein Sales Manager oder Ähnliches bin, sondern Content Marketing Managerin. Mein schlechtes Gewissen meldete sich langsam und kletterte auf meinen Rücken, um sich an mir festzuklammern. Der Shop sollte meine Anstellung finanzieren,  doch wenn die Verkäufe ausbleiben wird das nichts.

Mit jedem Tag an dem Nichts verkauft wurde fühlte ich mich schlechter. Auch wenn ich wusste, dass es nicht an mir lag und ich mein bestes getan hatte, dachte ich die ganze Zeit, vielleicht kann ich an den Texten noch etwas ändern …

“Hey, und wie ist der neue Job so?”
“Du riechst doch wenn etwas im Argen ist, oder?”
Ein Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus. Wir schicken uns ein paar Sprachnachrichten hin und her und ich merkte, wie die Anspannung der letzten Tage von mir abfiel. Vielleicht ist das die Lösung. Doch hieße das ich renne weg?
Egal, ich kann so nicht arbeiten. Das ist einfach zu viel Druck für etwas, das nicht messbar ist und ich nicht beeinflussen kann.
“Lass uns mal reden, wir finden eine Lösung, wenn du noch möchtest”, hatte er in der letzten Nachricht noch gesagt. Das machte mir Mut. Schon vor einigen Monaten hatte ich meine Bewerbung abgegeben. Die Erste, die nicht dem Standard entsprach, sondern ganz ich war. Und das hatte sich gut angefühlt. Nur gab es in dem Moment das Budget noch nicht her mich zu nehmen. Doch ein paar Monate später sah die Sache anders aus. Eine neue Chance. Ich sagte zu und ein paar Tage später saßen wir schon zusammen am Tisch.

Der Vertrag hat nicht lang auf sich warten lassen und so kündigte ich den Job, von dem ich am Anfang so begeistert war.
Zwischendurch drangen die Worte immer mal zu mir durch, die ich erfolgreich verdrängte: “das ist ein klassischer Selbstständigenlebenslauf.”

Im Mai klopfte der Prolog, den ich vor Monaten einmal geschrieben hatte an und ich begann mich dem Schreiben hinzugeben. Mit jeder gefüllten Seite fühlte ich mich besser und es machte so viel Spaß. Es folgte die Prüfung für mein Fernstudium, das ich sogar mit einer eins bestand. Ich fragte mich, ob dieser Bereich doch für mich bestimmt war, nicht umsonst war mein Interesse so groß.

Anfang Juli begann der neue Job. Am liebsten hätte ich schon eher angefangen, so sehr freute ich mich auf die neuen Aufgaben. Redaktionspläne schreiben, Beiträge für Social Media vorplanen und vieles mehr. Schnell erhöhte sich die Zahl der Kunden und ich hatte nach kurzer Zeit Sieben die ich betreuten konnte. Voller Euphorie ging ich an meine Aufgaben.

Nach vier Wochen das erste Fazit. Dreißig Stunden sind zu viel, ich habe kaum noch Zeit zum Schreiben, geschweigedenn für Morgenseiten oder autorenglück (meinen Impressumsservice). Wann immer ich konnte saß ich abends am Schreibtisch. Ich habe die Geschichte des neuen Buchs weitergeschrieben, mich um autorenglück gekümmert und was sonst noch anstand bearbeitet. Dieser Gedanke “Selbstständig machen” klopfte immer öfter an und nun begann das Universum auch noch mich immer wieder darauf hinzuweisen und das auf die unterschiedlichsten Arten. Ein Buch, ein Film, ein Podcast überall tauchte das Thema plötzlich auf und wurde immer lauter in meinem Kopf. Doch die Angst hat alles im Keim erstickt.

Bis zu jenen Tag im Herbst. Ich hatte viel Persönlichkeitsentwicklung gemacht, habe angefangen mich mit dem Thema Freiberuflichkeit und mit allem was mir solche Angst machte zu befassen. Und dann hat das Gefühl des “machen wollens” überwogen und meine Angst wurde immer kleiner und kleiner. Ich begann mit der Krankenkasse zu sprechen, habe mich bei Gleichgesinnten informiert und alles aufgesaugt. Ich habe meine Wünsche aufgeschrieben und mich irgendwann getraut mit meinem Mann darüber zu sprechen. Und auf einmal war dieser “irgendwann Traum” näher als je zuvor. Zum greifen nah um genau zu sein.

Ich setzte mir ein Ziel. Und dann begann ich daraufhinzuarbeiten. Ich habe dem Universum auf allen Wegen gezeigt, das ich die Zeichen verstanden habe und nun auf den Weg bin und um Hilfe gebeten. Auch die kam wieder auf allen möglichen Wegen. Ich durfte Wochenaufgaben zu einem unglaublich tollen Buch, das hoffentlich bald rauskommen wird, testen und bin noch immer dabei. Bücher fanden ihren Weg zu mir, Podcasts, Youtubevideos usw. ich habe alles aufgesaugt und in mir reifen lassen. Denn wenn ich selbst nicht an mich glaube, wer dann?

Ich bezog meine Familie und Freunde mit ein in meine Entscheidung und zu meiner Überraschung waren alle restlos begeistert und voll bei mir. Als hätten sie es schon immer gewusst.

Ich kaufte zwei Bücher über Marketing und Werbetexte und war total überwältigt und fasziniert von den Ansichten und dachte “ja, so kann es gehen. Wenn ich lerne so zu schreiben kann ich Kunden mit Content Marketing anziehen.” Ich begann mir Gedanken über meine Webseite und einem Bereich, der all das was ich anbieten kann sichtbar für potenzielle Kunden zu machen. Ich machte mir Gedanken, wie Geld reinkommen kann, weil ich solche Angst hatte, das es nicht reicht. Das der Impressumsservice nicht reicht, das ich nicht reiche. Und zack war ich wieder drin in einer Schleife aus Selbstzweifel, nicht genug seins und Angst. Es machte mir Bauchschmerzen und ich war wieder gänzlich überfordert. “Hör doch mal auf dich selbst zu sabotieren!”, hörte ich meine Freundin aufschreien, als ich ihr von all den Plänen erzählte. Sie konnte meine Panik spüren. “Du wolltest doch vom Schreiben leben, wenn du all das umsetzen willst, was du mir gerade gesagt hast, wann willst du dann schreiben?” Schlagartig wurde mir klar, das sie recht hatte. Das war nicht das was ich wollte und schon gar nicht das was mir gut tat. Das bin ich einfach nicht, nicht so. Ich verkaufte die zwei Bücher wieder und fühlte mich befreit und bereit. Ich arbeitete weiter an meinen Mindset, meinem Vertrauen und auch an dem Thema Geld. Dadurch hat sich in den letzten Wochen so viel verändert, unglaublich.

Es folgte ein letzter Schritt, um dem Universum zu zeigen das es mir ernst ist. Ich kündigte Mitte Dezember meinen Job. Somit hatte ich in den letzten zwei Jahren vier Jobs. Natürlich hätte ich auch noch einen weiteren versuch starten können, noch einen Job, doch mittlerweile bin ich mir sicher, das es einfach nichts gibt, das mich so erfüllt  und glücklich machen wird, wie das Schreiben. Wann immer ich schreiben kann kribbelt mein ganzer Körper. Die Charaktere entwickeln ein Eigenleben und die Geschichte nimmt einen Lauf, den ich vorher nie erwartet hatte. Das ist spannend und unglaublich schön. Ich meine ich erschaffe Geschichten mit meinen Gedanken, Gefühlen und bringe sie auf Papier. Und nun darf ich mich im neuen Jahr voll und ganz dem Schreiben widmen. Dafür bin ich meinem Mann jetzt schon auf ewig dankbar.

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