Ein flüchtiger Blick aus mindestens 30 Meter Entfernung. Du bist mir aufgefallen. Du wirktest distanziert. So wie wir. Betrachten aus der Ferne. Vorsichtig. Extrovertiert. Nur nicht zu sehr auffallen. Das machen andere schon für uns. Und dennoch bist du auffallend. In deinem Wesen, deinem Aussehen und deiner Art.

Und dann eine Brieftaube. Lust auf ein Treffen? Die Frage hallte nach. Ich schicke die Taube zurück, mit meiner Antwort. Einige Zeit später. Verabredet. Ich wage es. Ein neuer Mensch. Eine neue Begegnung. Ich schaue mir Bilder an. Distanz. Und eine gewissen Arroganz. Aber keiner möchte in Schubladen gesteckt werden.

Da standst du nun und ich ging auf dich zu. So offen wie ich nur sein konnte. Denn ich bin eine Beobachterin. Aus der Ferne. In Sicherheit. Doch dieses Mal sollte es anders sein. Ich wollte es versuchen. Eine freundliche Umarmung. Und dann folgte ein Gespräch als würden wir uns schon Jahre kennen. Konnte das wirklich wahr sein? Zwei Seelenverwandte. Doch, da gab es etwas. Selbstsicherheit. Du wusstest was du wolltest und hast es dir genommen. Das hat mich beeindruckt.

Ich durfte hinter die Mauern schauen. Stand inmitten deines Schlosses. Umhüllt von dicken Mauern und Geschützen. Jederzeit bereit zum Abschuss. Das hat mir Angst gemacht. Ein bisschen. Aber nur dann, wenn ich nach Hause ging. Denn dann wurden die dicken Tore aus Stahl geschlossen. Kein Zurück mehr. Unerreichbar. Unnahbar.

Viele Brieftauben und auch mal eine Eule. Doch irgendwie warst das nicht du. Es war nicht deine Handschrift. Nicht die Gedanken die ich kannte und mochte. Die Tore verschlossen und du unnahbar. Und dann wieder ein Treffen. Hinter den Mauern. Alles vertraut und liebevoll. Warm und gemütlich.

Ich fühlte mich beschützt. Hinter den Mauern. Sicher und verstanden. Aber nur, solange das Tor offen stand. Nur solange du bei mir warst. Du hast mich beschützt wie einen Schatz. Keiner durfte an mich ran. Und auch nicht an dich. Du hast sie deine Macht spüren lassen. Hast kein Geheimnis daraus gemacht wer du bist. Und alle knieten nieder. Aus Angst oder war es doch Respekt. Nichts hätte dich jemals zu Fall bringen können. Doch auch du hast Wunden und hast sie mir offenbart. Um gleich darauf wieder unnahbar zu sein. Unerreichbar. Ein Schutz, Flucht. Viele Facetten.

Da stand ich nun wieder außerhalb der Mauern. Du hast mich angeschossen. Aber ich stand immer noch da. Wollte dir beweisen, dass ich stark bin. Das ich zu dir stehe. Das ich da bleibe. Nicht wegrenne. Doch irgendwann taten die Pfeile weh. Sie zwangen mich in die Knie. Verwundet. Enttäuscht. Unsicher. Komm her, nein geh weg. Schau her, aber schau nicht hin. Hör zu und sag etwas, aber sei still. Komm her zu mir, aber ich werde nicht da sein. Hör auf an das zu glauben und sieh dir die Tatsachen an. Hör auf an das zu glauben, was dir geholfen hat, denn es wird mir nicht helfen. Sei da, aber bitte geh weg.

Ich hab es versucht. Immer wieder. Es hat wehgetan, die Pfeile hast du wieder raus gezogen. Liebevoll und mit Hingabe. Aber die Narben bleiben. Vorsicht. Alles schreit danach. Alle warnen. Doch ich missachte die Schilder und die Hinweise. Denn ich kenne die andere Seite. Das Paradies hinter den Mauern. Die Wärme und Liebe. Aber es war schon zu spät. Brennende Pfeile. Ich bleibe stark. Doch irgendwann gehe ich. Bevor mein Körper verbrennt.

Noch einige Brieftauben kommen an. Jeder Brief eine andere Facette. Jedes Wort ein anderer Mensch. Irgendwann schickte ich die Tauben zurück, ohne eine Antwort. Denn die Briefe brannten wie Feuer auf meiner Haut. Es wurde ruhig. Und ich konnte mich wieder erholen. Und dann entdeckte ich sie. Einen Zettel an jeden Baum der zum Schloss führte. Zum Abschuss bereit. Kein Name, keine Beschreibung – nur ein durchgestrichenes Bild. Schluss, aus, vorbei. Doch was bleibt sind die schönen Erinnerungen, zumindest für mich.