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Du kannst es nicht jeden recht machen

24. Februar 2018

Du kannst es nicht jeden recht machen

Du wirst es niemals allen recht machen können. Dabei musst du das auch gar nicht.

Viele Jahre meines Lebens habe ich damit verbracht Anerkennung zu bekommen. Das Gefühl, dass da draußen jemand stolz auf mich ist. Das Gefühl gebraucht und geliebt zu werden. Dabei habe einen der wichtigsten Menschen in meinem Leben vergessen – nämlich MICH.

Das, was du wirklich brauchst und suchst, das wird dir kein anderer geben können. Denn genau das, musst du dir selbst geben. Es bringt nichts etwas zu tun, was dir eigentlich keine Freude bereitet. Nur weil du hoffst, dass es jemand anderes toll findet und stolz auf dich ist. Denn am Ende ist es das, was ihn erfüllt und glücklich macht, aber nicht dich.

Als ich an einem Punkt in meinem Leben war an dem ich beschlossen habe noch eine Ausbildung zu machen war mein Vater wahnsinnig stolz auf mich. Er hätte mich am liebsten mit Geschenken überschüttet als ich ihm erzählte, dass ich einen Ausbildungsplatz als Altenpflegerin habe. Meine zweite Ausbildung. Dieses Mal wollte ich alles richtig machen. Viele Menschen hatten mir ins Gewissen geredet und ich dachte mir, wenn ich eine Zusage bekomme, dann soll es wohl so sein. Dann gehört das zu meinem Weg. Und mein Vater hat sich so gefreut. Endlich Anerkennung. Endlich stolz. Aber schon nach einem halben Jahr habe ich gemerkt, das ist nicht mein Weg. Die Erfahrungen waren wichtig, ohne Frage. Aber mein Herz hat geblutet und meine Seele gelitten. Durch die Dankbarkeit dieser Menschen fühlte ich mich schlecht. Immer dann, wenn ich einen davon zurücklassen musste um schnell den nächsten zu betreuen und zu helfen. Jeder einzelne Mensch ist so besonders und hat so viel in seinem Leben erlebt. Hat Dinge aufgebaut, für uns, für die nächste Generation. Und nun, alle auf dem Abstellgleis. Ich musste eine Entscheidung treffen. Eine wichtige Entscheidung. Und das habe ich am Ende. Doch dieses Mal habe ich auf mich gehört, auf das was ich will. Und ich habe dafür gekämpft. Viele waren dagegen, viele haben abgeraten. Aber ich wollte es.

Nun einige Jahre später bin ich froh über meine Entscheidung und mein Vater ist stolz auf mich. Und auch andere sind es. Und das nicht weil ich ihnen etwas recht gemacht hatte, sondern einfach nur weil ich meinen Weg gegangen bin und auf mein Inneres gehört habe.

Es ist ok auch mal nein zu sagen, oder einen Rat nicht anzunehmen. Aber wir wollen es eben am liebsten immer allen recht machen. Wir wollen geliebt, gebraucht und geschätzt werden. Das funktioniert aber nicht in dem wir anderen den Hintern abwischen!


Du kannst es nie allen recht machen

Ein Vater zog mit seinem Sohn und einem Esel in der Mittagshitze durch die staubigen Gassen. Der Sohn führte und der Vater saß auf dem Esel.

„Der arme kleine Junge“, sagte ein vorbeigehender Mann. „Seine kurzen Beine versuchen, mit dem Tempo des Esels Schritt zu halten. Wie kann man nur so faul auf dem Esel sitzen, wenn man sieht, dass das Kind sich müde läuft?”

Der Vater nahm sich dies zu Herzen, stieg hinter der nächsten Ecke ab und ließ den Jungen aufsitzen.

Es dauerte nicht lange, da erhob schon wieder ein Vorübergehender seine Stimme: „So eine Unverschämtheit! Sitzt doch der kleine Bengel wie ein König auf dem Esel, während sein armer, alter Vater nebenherläuft.“ Dies tat nun dem Jungen leid und er bat seinen Vater, sich mit ihm auf den Esel zu setzen.

„Ja, gibt es sowas?“, sagte eine alte Frau. „So eine Tierquälerei! Dem armen Esel hängt der Rücken durch und der junge und der alte Nichtsnutz ruhen sich auf ihm aus. Der arme Esel!“

Vater und Sohn sahen sich an, stiegen beide vom Esel herunter und gingen neben dem Esel her. Dann begegnete ihnen ein Mann, der sich über sie lustig machte: „Wie kann man bloß so dumm sein? Wofür hat man einen Esel, wenn er einen nicht tragen kann?“

Der Vater gab dem Esel zu trinken und legte dann die Hand auf die Schulter seines Sohnes. „Egal, was wir machen“, sagte er, „es gibt immer jemanden, der damit nicht einverstanden ist. Ab jetzt tun wir das, was wir selber für richtig halten!“ Der Sohn nickte zustimmend.

(Aus dem Buch „Der Kaufmann und der Papagei“ von Nossrat Peseschkian.)


Die kleine Geschichte fand ich sehr treffend. Denn genauso ist es. Und genau deshalb ist es so wichtig öfter an sich selbst zu denken. Egoistisch? Nein, lass dir das niemals einreden!

Es gibt so viele unzählige Momente in denen ich versucht habe anderen etwas recht zu machen in der Hoffnung mich damit gut zu fühlen. Am Ende hab ich es nicht geschafft und mich noch schlechter gefühlt weil ich es versucht habe anstatt das zu tun was mir gut tut und die zu sein, die ich bin. Ohne verstellen, authentisch, ICH. Das muss reichen. Und wenn nicht, dann ist das nicht mein Problem.

Denn wir alle sind FABELHAFT auf unsere ganz eigene Art und Weise.

6 Kommentare

    • Ich weiß Janine, ich falle auch immer wieder in das Muster. Aber sobald ich merke, dass ich schon wieder versuche es anderen recht zu machen und selbst drunter leide lass ich es und versuche es zu ändern. Es ist dein Leben und was danach kommt weiß keiner. <3

  1. Es sind wirklich wahre Worte die Du schreibst und ich beneide jeden der genau so sein Leben gestaltet.
    Du kennst mich und weißt, das ich eben nicht so bin. Klar habe auch ich om Laufe der Jahre gelernt NEIN zu sagen aber meist plagt mich dann mein schlechtes Gewissen. Oft wird das ausgenutzt und viel zu sehr vernachlässige ich mich und meine Bedürfnisse dadurch aber wenn ich mich anders verhalte geht es mir auch nicht wirklich gut. Warum dann was ändern? Gerne würde ich gerade in meinem Familienleben einfach mal über mein Schatten springen und nein brüllen. Einfach mal an mich denken und sageb und tun was ich möchte. Aber nur all zu oft stoße ich an Situationen wo das einfach nicht geht. In einem Drei-Generationen-Haus, wo Ansichten und Interessen nur so auseinander klaffen sind wir jungen es die eben nicht nein sagen. Die sich fügen. Nur der Harmonie zu liebe. Geht es uns damit gut? Nein. Aber es gibst nix schlimmeres als zerstritten unter einem Dach zu leben.
    Aber ich bin sehr stolz auf dich und das du es geschafft hast. Und ich wünsche dir von ganzem Herzen das du dein Leben lebst, genau wie du es möchtest.

    • Ach Mel, ich bin stolz auf dich. Wie du das alles meisterst, das ist echt nicht ohne. Ich weiß nicht ob ich das könnte. Aber auch da gilt, du kannst es nicht allen recht machen. Aber ich weiß, dass du es immer versuchen wirst. Das bist eben du. Aber wenigstens machst du es nicht mehr bei den falschen Menschen! Natürlich gibt es noch genügend Momente in denen auch ich versuche es anderen recht zu machen, aber eben nur so, dass es mir dabei noch gut geht und ich mich wohl fühle. <3

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