Ich kann mich noch erinnern, wie ich am Sonntag ganz hibbelig und aufgeregt auf der Couch gesessen habe und es kaum erwarten konnte das endlich Montag wird. Denn das würde der erste Tag meiner Selbstständigkeit sein.

Völlig euphorisch habe ich mich also am 03.01.2022 an meinem Schreibtisch gesetzt und war bereit loszulegen.

Als erstes habe ich mich um die Buchhaltung gekümmert, da gab es einiges aufzuholen und das Geschäftsjahr 2021 abzuschließen. Da ich was das angeht ein kleiner Nerd bin, hatte ich gut vorgearbeitet und somit war auch das innerhalb von zwei Stunden erledigt.

Dann ging es an die erneute Überarbeitung zu Der Duft von Marienkäfern. Ich merkte, wie gut es mir und der Geschichte getan hat es eine Weile ruhen zu lassen. Ich konnte mit frischen Gedanken dazu ans Werk gehen. Da ich nun die Zeit, während die Kleine in der Kita war voll und ganz für mein Business nutzen konnte, war die Überarbeitung zügig erledigt. Als nächstes suchte ich nach Testlesern und war total erstaunt, als diese meine Geschichte förmlich verschlungen haben. Ich notierte mir alle Anmerkungen und schaute, welche ich mit unterbringen, bzw. ändern wollte. Auch meine Lektorin merkte wie gut die Pause dem Buch und meiner Schreiberei getan hatte. Trotzdem gab es noch einiges zu tun. Auch wenn es eher Kleinigkeiten sind, wie hier und da das Geschriebene durch einen Dialog zu ersetzen oder ein paar Worte zu ändern, reicht das schon aus, um die Geschichte abzurunden und ihr einen Feinschliff zu verabreichen.

Im Januar habe ich wirklich kontinuierlich viel Zeit am Schreibtisch verbracht. Schließlich bin ich jetzt Vollzeitautorin, dachte ich. Mein Mann und auch ein paar Autorenkollegen meinten dann, dass ich mir auch Pausen gönnen kann. Das ich meinen Tag so planen kann, wie ich gern möchte. Das umzusetzen hat sehr gutgetan. Plötzlich konnte ich auch mal zeichnen, lesen oder zu Mittag einen Film während des Essens schauen und mich entspannen. Denn sind wir mal ehrlich, Mama zu sein ist ja auch ein Job. Alles wurde nach und nach viel entspannter. Die Kleine konnte früh in aller Ruhe munter werden und auch ich genoss es morgens nicht mehr ständig auf die Uhr zu schauen und zu spüren, wie der Stress in mir hochsteigt, weil ich längst am Laptop sitzen müsste. Und so begann die Eingewöhnung der Kleinen von der Krippe in den Kindergarten. Das hat uns sehr viel abverlangt. Umso mehr war ich froh über meine Entscheidung nun selbst über meinen Tag bestimmen zu können. Niemanden Rechenschaft ablegen zu müssen, was ich wann gemacht habe.

Die Veröffentlichung schon sich immer weiter nach hinten und irgendwann war mir klar, dass Januar nicht mehr realistisch sein würde. Dort kam in mir das erste Mal eine große Unruhe auf. Immerhin finanziere ich meine Selbstständigkeit gerade nur durch den Impressumsservice. Wenn kein neues Buch auf den Markt kommt, kommt auch kein zusätzliches Geld rein. Der Struggle hielt einen Tag an und beschäftigte mich wirklich sehr. Jedoch wollte ich mir, dem Buch und meiner „Lektorin“ (die Hauptberuflich keine ist) die Zeit geben, die es eben braucht.

Im Februar setzten wir dann den Buchtrailer um. Ein Tag (zwei Stunden) für die Planung, ein Tag fürs Filmen (ca. sieben Stunden) und ein Tag (ca. anderthalb Stunden) für das Voiceover und der Film ist fertig. Ich kümmerte mich um die Lesezeichen, um die Postkarten und den Inhalt der Buchboxen, die weg gingen, wie warme Semmeln und das, obwohl das Buch noch nicht einmal veröffentlicht ist. Doch schon allein das eine Testleserin selbst anfing ihre Geschichte aufzuschreiben hat mich nochmal mehr motiviert und mich bestärkt dabei zu bleiben und durchzuhalten.

Mitte Februar folgte wieder ein Tag an der Panik Besitz von mir ergriff. Ich spürte zu dem Zeitpunkt, dass es nicht Ende Februar sein wird mit der Veröffentlichung. Die Angst das ich es nicht schaffen werde und der Druck, den ich mir selbst machte, führte dazu, dass ich Stellenanzeigen durchsuchte. Wieder waren es mein Mann und meine Freunde die mir gut zuredeten. Am nächsten Tag war ich wieder voll dabei und alle Zweifel vergessen.

Eines morgens, wir waren gerade in der Kita angekommen und wollten reingehen, kam uns die Erzieherin der Kleinen entgegen und meinte, dass sie leider positiv ist. Mein erster Gedanke war nicht „wie mache ich das jetzt, ich muss doch arbeiten,“ wie es letztes Jahr noch der Fall gewesen wäre. Sondern ein anderer. Ich erkundigte mich nach dem Befinden der Erzieherin und wünschte ihr einen milden Verlauf und eine gute Besserung. „Leider habe ich die Maus gestern ganz oft auf den Schoß gehabt und in die Arme genommen.“ Ich sah sie an und spürte wie Tränen in mir aufstiegen. „Weißt du, ich bin einfach nur froh, dass du dich so gut um unser Kind gekümmert hast und wenn sie sich nun angesteckt hat, dann ist das so. Es gibt schlimmeres.“ Und so nahm ich die Maus gleich wieder mit nach Hause und wir gingen in Quarantäne. Zwei Tage später war mein Test dann positiv und ich ließ das Ergebnis mit einem PCR Test bestätigen. In den zehn Tagen in denen wir zuhause waren, habe ich fast jeden Tag während des Mittagsschlafs der Kleinen ungefähr zwei Stunden am Schreibtisch gesessen. Und das war völlig in Ordnung und entspannt, denn auch an mir ging die Krankheit nicht spurlos vorüber. Viel ausruhen, kuscheln und spielen stand auf der Tagesordnung. Ich war noch nie so entspannt in meinem Leben.

Der Februar neigte sich dem Ende und alles verschob sich weiter. Es würde also März werden. Und so wie es momentan aussieht wahrscheinlich Ende März. Denn zwei Wochen vor der VÖ erfolgt erst einmal eine Titelmeldung an den Distributor. Zu dem Zeitpunkt muss der Buchsatz fertig sein, da in der Titelmeldung die finale Seitenanzahl, der Klappentext und das Cover angegeben wird. Danach habe ich eine Woche Zeit die Bücher drucken zu lassen und an den Distributor zu verschicken, da diese fünf Tage vor der VÖ dort sein sollen.

Wieder hefteten sich Angst, Verzweiflung, Panik und der Gedanke aufzugeben an mich. Ich überlegte eine richtige Lektorin zu engagieren, um endlich fertig zu werden. Doch meine Zweifel, ob diese mit der Geschichte genauso umgehen würde wie meine Freundin bisher ließen mich nicht los. Ich redete mit ihr, mit meiner Freundin und mit meinem Mann. Und das alles nur, um die Antwort, die eh in mir ist, rauszukitzeln und mir vor Augen zu halten was ich wirklich will.

Was habe ich also in den letzten zwei Monaten gelernt?

  • Das ich Zeit habe.
  • Das ich alle schaffen kann und werde, was ich möchte.
  • Das mein Schreibstil in diesen Buch kein Vergleich zu Zeichen im Sand ist.
  • Das dieses Buch es wert ist darauf zu warten.
  • Das es eben die Zeit braucht, die es braucht und auch bekommen wird.
  • Das ich vertrauen darf.
  • Mir Zeit nehmen darf.

Das am Ende alles gut wird und ich gerade den Samen sähe für meine Zukunft. Und wie wir alle wissen, braucht so ein Samen Zeit.
Und das ich unheimlich froh bin diesen Schritt gegangen zu sein.

Auch wenn es diese Tage gab an denen ich alles in Frage gestellt und an mir gezweifelt habe, so bin ich trotzdem jeden Tag mit einem Lächeln aufgestanden (okay, als die Kleine die Nacht um vier für beendet erklärt hat fand ich das nicht so prickelnd). Ich darf mir von all den Dingen, die mir so viel Spaß machen jeden Tag etwas aussuchen, das ich machen möchte. Als Selfpublisher kümmert man sich um alles rund um das Buch selbst und das macht mir unheimlich Spaß.