Achtsamkeit beim Streiten

Achtsamkeit beim Streiten

3. Mai 2018

Achtsamkeit beim Streiten

»Wir müssen unbedingt Benzin sparen, ich habe diesen Monat das dritte Mal getankt.« Auf diesen Satz folgte ein kritischer Blick. »Dann lass doch das Auto öfter mal stehen und laufe oder fahre mit den Öffentlichen. Immerhin fährst nur du mit dem Auto.« Warum sagt er das, dachte sich Julia. Er weiß doch ganz genau, dass ich einen weiten Weg auf Arbeit habe und mit dem Auto einfach Zeit spare und nach der Arbeit schnell noch ein paar Dinge erledigen kann. Und überhaupt, es sind doch seine Freunde, die ich andauernd rum kutschiere. »Wenn ich nicht ständig irgendjemanden abholen oder nach Hause fahren müsste, würden wir auch sparen.« Damit habe ich´s ihm gezeigt, dachte Julia. »Willst du damit sagen, dass ich schuld bin, dass wir so viel verbrauchen, obwohl ich nie fahre?« antwortete Julias Freund. Julia stockte der Atem. Sie spürte wie Wut in ihre hoch kochte. Jetzt nur nicht klein bei geben dachte Sie. »Wenn du keine Lust hast zu fahren ist ja klar, dass ich dann immer diejenige bin, die Taxi spielen muss.« Julia sieht wie die Ader auf Bens Kopf anfängt zu pulsieren. Jetzt würde er richtig sauer werden. Jetzt bereute Sie, dass Sie mit dem Thema überhaupt erst angefangen hatte. Während Ben auf sie einredete spürte Sie, wie Tränen in Ihr aufstiegen. Doch sie wollte auf keinen Fall heulen. Nicht jetzt und nicht hier…


Jetzt würden sich beide einfach immer weiter hochschaukeln und sich gegenseitig Vorwürfe an den Kopf knallen. Jeder will das letzte Wort haben. Dabei wollte Julia gar nichts Böses und versteht nicht, wie aus ihrer Feststellung plötzlich so ein riesen Streit entstehen konnte.

Am Ende, ging es jedoch gar nicht um das, was Julia angesprochen hat. Sondern Ben hat ein ganz anderes Problem. Er ist schon seit Tagen schlecht drauf und weiß nicht warum. Die Wut staut sich in ihm an und er schluckt immer weiter alles runter. Bis das Fass überläuft. Leider ist Julia diejenige, die diese emotionale Überschwemmung aus Wut und Frust abbekommt.

Ich denke, jeder kennt solche Situationen. Man nennt es auch: „aus einer Mücke einen Elefanten machen.“

Wenn ich einen Streit von Freunden mitbekomme, der auf solchen Emotionen aufbaut, dann muss ich heute Lächeln. Jedoch nicht, weil ich es witzig finde, sondern weil ich das nur zu gut kenne. Dieses Spiel haben wir oft genug gespielt und keiner hat gewonnen. Aber zumindest war am Ende des Tages immer alles ok. Denn im Streit schlafen gehen sollte man auf keinen Fall. Mittlerweile können wir in den meisten Fällen ganz gut mit solchen Situationen umgehen. Aber auch wir müssen noch eine ganze Menge dazu lernen.

Nägel im Zaun hinterlassen Spuren

Zu diesem Thema gibt es eine Geschichte von einem unbekannten Verfasser. Sie handelt von einem Jungen, der schnell wütend wurde, ständig herumstritt und dabei regelrecht ausrastete. Eines Tages gab ihm sein Vater einen Hammer und eine Packung Nägel. Er sagte seinem Sohn: „Jedes Mal, wenn Du wieder ausrastest, gehst Du zum Gartenzaun hinterm Haus und schlägst einen Nagel hinein.“

Am ersten Tag schlug der Junge noch 30 Nägel in den Zaun. Doch in den folgenden Wochen wurden es nach und nach weniger. Er gelangte langsam zu der Einsicht, dass es einfacher war, sein wütendes Temperament zu beherrschen, als ständig kraftaufwendig Nägel einzuhämmern. Eines Tages teilte er seinem Vater stolz mit, dass er heute keinen einzigen Nagel habe in den Zaun schlagen müssen.

Der Vater nahm ihn bei der Hand, ging mit ihm zum Zaun und sagte: „Von jetzt an machen wir es so: Für jeden Tag, an dem du nicht ausrastet, darfst du einen Nagel wieder aus dem Zaun herausziehen.“

Wieder vergingen mehrere Tage, bis der Junge zu seinem Vater lief und ihm freudig mitteilte, dass nun keine Nägel mehr im Zaun seien. Gemeinsam gingen sie zum Zaun. Der Vater sagte: „Das hast Du toll gemacht. Aber schau Dir die vielen Löcher an, die die Nägel hinterlassen haben. Der Zaun ist nicht mehr der, der er einmal war. Denk daran, wenn Du das nächste Mal im Zorn etwas zu anderen Menschen sagst. Deine Worte können Narben hinterlassen, so wie diese Nägel Spuren im Zaun hinterlassen haben. Auch wenn Du Dich entschuldigst, die Narben bleiben.“

Quelle: myMonk.de

Du bringst mich auf die Palme

Es liegt wohl in unserer Natur bei Konfliktsituationen sofort aus der Haut zu fahren. Das hängt mit unserem Verteidigungsreflex zusammen, der sofort einsetzt, wenn wir uns bedroht fühlen.

Damit du nicht jedes Mal ein Snickers verdrücken musst um entspannter zu sein

  1. Tief durchatmen

Wenn Zoff im Anflug ist oder eine Situation zu eskalieren droht, merke ich immer wie mein Herz anfängt zu pochen und zu rasen. Zwischendrin erwische ich mich oft wie ich den Atem anhalte oder schneller atme. Nun versuche ich anstatt flach lieber richtig tief durchzuatmen. Das hilft meinem Körper dabei ruhig zu bleiben, denn die Produktion von Stresshormonen wird dadurch zurückgefahren.

  1. Eine Pause einlegen

Während eines Streits hört man nicht nur das, was man hören will, viel öfter hört man gar nichts. Im Kopf wird schon die passende Antwort zurechtgelegt, die den anderen am besten wie einen brennenden Pfeil treffen und verletzen soll. In dem Moment sind wir festgefahren und beharren auf unsere Meinung die wir, wenn es sein muss bis zum Tod verteidigen.

In solchen Situationen fehlen mir oft die richtigen Argumente. Ich merke, dass wir uns in einer Sackgasse befinden und uns im Kreis drehen. Für mich selbst ist es dann am besten aus der Situation raus zu gehen. Meistens verlasse ich die Wohnung dann wirklich für einen kurzen Spaziergang in dem ich runterfahren und nachdenken kann. Ich reflektiere. Und dann entschiede ich. Hatte er doch recht, womit hat er recht und vor allem, wie können wir das Problem lösen? Das hat nichts damit zu tun, zu flüchten oder Konfrontationen zu scheuen. Es ist manchmal schlicht die vernünftigste Option.

Wenn ich wiederkomme hat auch er Zeit gehabt sich zu beruhigen. Und dann setzen wir uns noch einmal zusammen und sprechen vernünftig miteinander.

  1. Aufmerksam Zuhören

Nach diesem kurzen Spaziergang ist alles entspannter und die Waffen sind unter Verschluss. Jetzt heißt es reden und zuhören. Ausreden lassen, nachdenken und vernünftig antworten. Wenn wir gewillt sind, wirklich zuzuhören, fällt es uns leichter, uns in unser Gegenüber hineinzuversetzen und achtsam zu sein.

  1. Nicht laut werden

Wichtig ist auch, dem Gegenüber nicht anzuschreien oder die Stimme zu erheben. Denn dann kann es passieren, dass der Körper wieder in eine Abwehrhaltung geht und beide immer lauter werden. Wenn du dir Gehör verschaffen willst, weil der andere immer reinredet während du sprichst, benutze Signalwörter wie Stopp. Um den ganzen mehr Ausdruck zu verleihen und die Aufmerksamkeit deines Gegenübers zu erhalten kannst du im auch die flache Hand aufrecht hinhalten während du Stopp sagst. Warte kurz, ob er es verstanden hat und dann kannst du deine Gedanken loswerden.

Wir können noch so ausgeglichen sein, dennoch wird es nicht immer ausbleiben, dass wir in einer Streitsituation wütend werden. Trotzdem können (und sollten) wir Konflikten nicht aus dem Weg gehen, denn sie gehören zum Leben und zum Miteinander einfach dazu. Was wir aber beeinflussen und verändern können, ist, wie wir in diesen Situationen reagieren.

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